23. Juli 2010 Pressespiegel

FT: Das Annafest neben Argentiniens Tango?

Für die Aufnahme ins immaterielle Weltkulturerbe der Unesco setzt sich der junge FDP-Bundestagsabgeordnete Sebastian Körber aus Forchheim ein

 

 


Im Bundestag werden Ideen geboren. Das hofft man zumindest, was die große Politik angeht. Dem Forchheimer Bundestagsabgeordneten Sebastian Körber erging es tatsächlich so. Auch wenn die Sache im ersten Moment klein aussieht, könnte sie Weltbedeutung erlangen. Im ganz wörtlichen Sinn.

Der junge FDP-Mann las im Plenum den Zeitungsspiegel, den ihm seine Mitarbeiter zusammengestellt hatten. Darunter einen Artikel aus einer überregionalen Zeitung, in dem davon die Rede war, dass sich die Münchner und die Straubinger darum bemühten, das Oktoberfest und das Gäubodenfest auf die Unesco-Liste des immateriellen Weltkulturerbes zu setzen. Schnell ergaben sich daraus ein Gespräch mit oberbayerischen Kollegen und die Erkenntnis, das Forchheimer Annafest habe eine weitaus längere Tradition. „Das Annafest ist viel besser geeignet als das Oktoberfest, deutsche Festkultur zu vertreten“, schloss Körber daraus. „Schön, klein und urfränkisch“ mache es sich gut neben kulturellen Schöpfungen wie Argentiniens Tango. Ein bisschen berechtigter Lokalpatriotismus schwingt mit, wenn Körber anfügt: „Sonst geht alles so schnell nach Oberbayern; wir müssen schauen, dass auch Franken etwas abbekommt.“

Nicht zuletzt wegen des weltweit regen Interesses an den Auflistungen des Weltnatur- und -kulturerbes hat die Unesco eine ähnliche Kompilation der immateriellen Kulturgüter initiiert. 116 Länder haben dem Vorhaben bereits zugestimmt; von Deutschland wurde es noch nicht ratifiziert. Derzeit liegen die Unterlagen bei der Bundesregierung. Körber ist optimistisch, dass der Beitritt alsbald geschieht. Und dann soll das Forchheimer Annafest ganz oben auf der Vorschlagliste stehen.

Zum immateriellen Erbe zählen kulturelle Ausdrucksformen wie Tanz und Theater, Musik, Sprachen, Handwerkstechniken und mündliche Überlieferungen. Die von der Unesco geführte „Repräsentative Liste des immateriellen Kulturerbes der Menschheit“ spiegelt die Vielfalt dieser kulturellen Ausdrucksformen wider.

Das Unesco-Programm zur Bewahrung des immateriellen Kulturerbes rückt über Jahrhunderte überlieferte Traditionen, die unmittelbar von menschlichem Können getragen werden, weltweit in den Blickpunkt. Ziel der Unesco ist es, die Vielfalt der lebendigen kulturellen Ausdrucksformen als Teil des Kulturerbes der Menschheit zu erhalten. 2003 hat die Unesco-Generalkonferenz das Übereinkommen zur Bewahrung des immateriellen Kulturerbes verabschiedet.

Nachdem 30 Staaten es ratifiziert hatten, trat es zum 20. April 2006 in Kraft. Am 5. November 2008 hat die Unesco die „Repräsentative Liste des immateriellen Kulturerbes“ eröffnet. Wie in dem Übereinkommen vorgesehen, wurden die von der Unesco in den Jahren 2001, 2003 und 2005 proklamierten „Meisterwerke des mündlichen und immateriellen Erbes der Menschheit“ in die Repräsentative Liste aufgenommen, die damit bereits 90 besonders erhaltenswerte immaterielle Kulturgüter umfasste. 2008 umfasste die Liste bereits insgesamt 166 kulturelle Ausdrucksformen aus allen Weltregionen.

Zu den Neuaufnahmen 2009 zählen unter anderem der argentinische und uruguayische Tango, die tibetische Oper in China, der „Radif“ der iranischen Musik, der „Carnaval de Negros y Blancos“ (Karneval der Schwarzen und Weißen) in Kolumbien, die Manden Charta in Mali, die als älteste Verfassung der Welt gilt, und das Neujahrs- und Frühlingsfest „Novruz“, das in den Ländern Aserbaidschan, Indien, Iran, Kirgisistan, Usbekistan, Pakistan und der Türkei gefeiert wird.

Und 2010 vielleicht das Forchheimer Annafest. Stadtarchivar Rainer Kestler liefert bereitwillig Argumente dafür, Franz Stumpf würde es freuen und die königlich privilegierte Hauptschützengesellschaft, die ja zu den Vätern des Annafests zählt, sowieso.

Kulturstaatsminister Bernd Neumann hat Körbers Vorstoß schon begrüßt und befürwortet. Nächster Ansprechpartner ist Walter Hirche, der Präsident der Deutschen Unesco-Kommission. Ihm will Körber den Vorschlag unterbreiten, dafür braucht seine Idee noch Fürsprecher: die Forchheimer, die Besucher aus nah und fern und vielleicht sogar die Bamberger. Ein immaterielles Weltkulturerbe im Vorfeld zur Weltkulturerbestadt wäre doch gigantisch, meint Körber.

 

Fränkischer Tag, Forchheim, 23.07.2010

 
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